 |
Christian Weber: der Spielmacher. |
Als die "Bündner Zeitung" im Frühling 1983 Christian Weber Transfer zum EHC Arosa meldete, herrschte im Vorstand des HC Davos dicke Luft. Nach mündlichen Zusagen glaubte man das grosse Stürmertalent im Landwassertal auf sicher zu haben. Positive Auswirkungen hatte die Nachricht immerhin für die Fünftklässler von Lehrer Fredy Bosch. Er liess seine Schüler am Nachmittag früher als vom Stundenplan erlaubt springen und begab sich in seiner Funktion als TK-Chef sofort nach Dübendorf. Noch am selben Abend wurde im "Sonnenhof" alles schriftlich fixiert: Weber unterschrieb beim HCD, Arosa-Präsident Peter Bossert blieb nur das ungläubige und verärgerte Nachsehen.
Das hartnäckige buhlen um den talentierten Stürmer kam nicht von ungefähr. Bereits als 15jähriger spielte das Eishockey-"Wunderkind" in seinem Heimatort Dübendorf für seinen Stammklub regelmässig in der Nationaliga B. Noch nicht 20jährig, reüssierte Weber darauf auf Anhieb beim HCD in der obersten Spielklasse. Unter Dan Hobér rückte er zu einem wichtigen Faktor im Davoser Angriff auf. Er bildete zusammen mit Jörg Eberle und Enrico Triulzi eine durchschlagskräftige und torgefährliche Angriffsreihe. Mit Davos wurde Weber 1984 und 1985 Schweizer Meister. Danach wechselte er zum ZSC, dessen Chef Walter Bolli den Spieler zum grossen Ärger von Fredy Bosch noch während des laufenden Vertrages vor der Davoser Spielerkabine mit dem Aktenköfferchen erwartete. 1988 unternahm Weber einen einjährigen Abstecher zum HC Ambri-Piotta. In der Leventina reifte das "ewige Talent" zum gestandenen NLA-Mittelstürmer. Fortan gehörte er zu den nicht mehr wegzudenkenden Teamstützen im rauchgeschwängerten Zürcher Hallenstadion. Oft spielte er besser als die Ausländer, die an seiner Seite stürmten. Seine persönliche Ruhe und Überlegenheit konnte Weber beim Zürcher Stadtklub aber nicht auf sein Umfeld übertragen. Mit dem intrigen- und querelenlastigen ZSC zitterte er oft am Tabellenstrich herum.
Nicht nur die sportlichen Überlegungen, sondern primär familiäre Gründe bewogen Weber im Frühling 1994 zu einer Rückkehr nach Davos. Seine beiden Söhne Brian und Steven litten unter dem "Falschen Krupp", asthmaartigen Beschwerden, von denen zunehmend Kleinkinder in städtischen und industriellen Ballungszentren betroffen sind. Besonders stark wurden Webers Buben während der luftschadstoffreichen Herbst- und Wintermonate in Zürich geplagt. Die Ärzte rieten der Familie deshalb, in die Berge zu ziehen. Während eines Ferienaufenthaltes in Davos blieb Brian tatsächlich beschwerdefrei."Ich wollte folglich meinen Kindern zuliebe in die Höhe, und weil ich mit HCD-Präsident Werner Kohler schon seit seinem Amtsantritt sehr gute Kontakte hatte, wurden wir sehr schnell einig", schildert Weber den Beginn seiner "zweiten Karriere in Davos". Schon bald nach seiner Rückkehr machte er beim Bündner Traditionsklub "eine richtige Aufbruchstimmung" aus. "Man spürt, dass alle wieder dorthin wollen, wo der HCD einst stand - an die Spitze des Schweizer Eishockeys." Auf diesem Weg nach oben bildet Weber einen wichtigen Eckpfeiler. Mit seiner gewissenhaften Berufsauffassung und seiner vorbildlichen Einstellung selbst in jedem Training ist er ein echter Teamleader, die Seriosität in Person. Dank seinen überdurchschnittlichen technischen Beschlagenheit und seiner ausgezeichneten Übersicht zählt er zu den absolut besten Schweizer Centern. Dank dieser Spielermacherqualitäten ist er bei den Gegnern im Powerplay ganz besonders gefürchtet. |