Kanadische Trainer haben in der "Neuzeit" des Davoser Eishockeys wichtige Basisarbeit geleistet, schwedische dem Klub bezüglich professioneller Einstellung und Spielsystem in eine erfolgreiche Richtung gewiesen. Mit dem kanadisch-schweizerischen Doppelbürger Paul-André Cadieux als Spielertrainer und Vorbild schaffte der HCD 1979 die Rückkehr in die Nationaliga A. Viel neuen Wind brachte 1982 Dan Hobér nach Arne Strömberg. Hobér war selber nie ein Topspieler. Der ausgebildete Gymnasiallehrer verfühte aber über ein breites, fundiertes Eishockeywissen. In Davos führte er als erster ein gezieltes Sommertraining ein. Das Hauptgewicht legte er dabei nicht nur auf die Ausdauer, sondern auf Kraft und Schnelligkeit. Bleiwesten wurden im Training zu treuen Begleitern der HCD-Akteure. Daneben liess er auch Basketball und Hallenhockey spielen. Basketball sei ideal für die taktische Schulung zum Beispiel des Defensiv, weil wie im Eishockey fünf Feldspieler gegeneinandeer antreten, begründete er seine Massnahme. Hobér habe Sinn und Zwech über Übungen erläutert, und die Erklärungen seien für jeden Spieler nachvollziehbar gewesen, erinnert sich der damalig Captain Jaques Sougel. Das professionelle Arbeiten und Denken zog sich wie ein roter Faden ruch Hobérs Davoser Zeit. Beispielhaft dafür waren auch die Eistrainings des Schweden. Dort wurde während einer bis eineinhalb Stunden intensiv und konsequent gearbeitet. Weil der Schwede sämtliche Übungen jeweils zuvor in der Kabine erklärte, brauchte es auf dem Eis nur wenige Worte und kaum noch Unterbrüche.
Hobér kam mit der Referenz des schwedischen Meistertitels und Djurgarden Stockholm nach Davos, wo er seine Erfolgsserie fortsetzte. Nach einem dritten Platz in seiner Saison in Graubünden führte er den HCD zweimal zu Meisterehren. Der Anhänger der russischen Schule praktizierte mit Davos eine attraktive Mischung zwischen dem sowjetischen und dem kanadischen Eishockey. Zu den Trümpfen seines Schweizer Meisterteams zählte die Ausgeglichenheit. Bei knappen Spielständen stellte der Schwede zwar häufig auf zwei Linien um. Doch im Schatten der beiden ersten Blöcke reifte mit Thomas Müller, Sergio Sougel und Lothar Batt und eine junge dritte Sturmreihe heran. der später den Sprung in die Nationalmannschaft gelang. Man müsse eben auch das Glück haben, eine Mannschaft zum richtigen Zeitpunkt übernehmen zu können. Der HCD habe sich schon im Aufwind befunden, als er das Team 1982 übernommen habe, richtet Hobér Dankeschön an seine Vorgänger. Den Meistergriff verpasste er den Davosern allerdings selber. Sein Erfolgsgeheimnis brachte er auf einen einfachen Nenner: "Ich verlange von meinen Spielern ziemlich viel, und zwar sowohl im Sommertraining als auch auf dem Eis. Im Training lege ich grossen Wert darauf, dass Disziplin herrscht, auch wenn wir spielen. Gewisse Trainer passen ganz einfach in bestimmte Teams und andrere weniger. In Davos war die Zusammenarbeit von Anfang an gut." Der Skandinavier fand beim HCD eine junge, ehrgeizige Mannschaft mit einer hohen Leistungsbereitschaft vor. Sie akzeptierte Hobérs strengen, autoritären Führungsstil und steckte dessen kerninge, teilweise auch beleidigende Sprüche weg. "Diesen Schuss hätte meine Grossmutter mit den Zähnen gehalten", warf er beispielsweise einmal seinem Torhüter Richi Bucher in der Kabine wütend an den Kopf, nachdem Davos in Lugano in der Schlussminute noch mit 2:3 verloren hatte.
Dass sich zwischen dem stets fordernden Hobér und der Mannschaft Reibungsflächen und mit der Zeit Abnützungserscheinungen bildeten, war verständlich und die Trennung nach drei Saisons logisch."Mit zwei Meistertiteln sieht es natürlich sehr gut aus", zog Hobér aus seinem erfolgreichen Wirken in Davos Bilanz. "Ich ärgerte mich im nachhinein allerdings ein bisschen, dass wir die Meisterschaft in meinem ersten Jahr beim HCD nicht gewonnen haben. Wahrscheinlich wären wir schon damals Meister geworden, wenn ich die Spieler besser gekannt und die Trainingsintensität zwischenhinein ein wenig reduziert hätte. Damals war die Mannschaft am Saisonende zu müde, weil sie den hohen Trainingsrhytmus und die hohe Belastung nicht gewohnt war. Für mich bedeuten es dennoch drei sehr gute Jahre. Im ersten weruden wir ja auch noch mit den Elite-Junioren Schweizer Meister."
Auf der schwierigen Suche nach einem Hobér-Nachfolger wählte der HCD-Vorstand 1985 den Kanadier Ron Ivany.
Mit ihm begann in Davos der Rückschritt."Die Trainings waren nicht mehr so seriös wie unter Hobér. Ivany verlangte weniger, und damit kehrte für uns Spieler der Alltag ein", sagt Jaques Sougel. Auch die unter Hobér gepflegte Spielkulur sei abhanden gekommen. Ivany habe sich als Eishockeylehrer stur an sein eigenes System geklammert. Im zwischenmenschlichen Bereich kam er seinen Spielern als Gentleman hingegen näher als sein Vorgänger.
Nach den beiden Ivany-Jahren folgte in Davos die fatale Trainerzeit ehemaliger ausländischer Spielergrössen. Juhani Wahlsten, der zwischen 1958 und 1969 115 mal für die finnische Nationalmannschaft gestürmt, drei Olympische Spiele und fünf Weltmeisterschaften bestritten hatte besass zwar ein grosses Wissen. Er verstand es jedoch nicht mehr, dieses beim HCD umzusetzen. Unmittelbar vor seiner Davoser Zeit hatte der Finne keinen grossen Klub betreut, sondern in Spanien das Eishockey an der Basis eingeführt. Man habe für die Trainings lange Unterhosen anziehen müssen, damit man beim Herumstehen nicht gefroren habe, beschrieben die Davoser Spieler leicht überspitzt die mangelnde Intensität unter Wahlsten. Er verzettelte sich stark in Gespräche, auf dem Eis habe er bis zu Dreiviertelstunden geredet. Der Überblick fehlte dem Finnen verschiedentlich auch als Coach an der Bande. "Eigentlich war es verwunderlich, dass wir trotz dieser Situation noch den vierten Schlussrang belgeten", meint Jaques Sougel rückblickend.
Dass der HCD damals tatsächlich über seinen wirklichen Verhältnissen klassiert war, offenbarte sich in der folgenden Saison unverblümt mit dem Abstieg aus der Nationaliga A.
Jozef Golonka, einer der populärsten früheren tschechoslowakischen Eishockey-Internationalen, brachte das sinkende HCD-Schiff nicht mehr in Fahrt. Der Lebemann gestikulierte und plauderte nach Niederlagen in der Kabine, wie er persönlich erstklassige Torchancen trotz seines fortgeschrittenen Alters genutzt hätte, während seine Schützlinge kläglich am gegnerischen Schlussmann gescheitert waren. Entscheidende neue Impulse vermittelte er allerdings nicht, weder im Training noch in der Meisterschaft. "Ich würde bei Disziplinlosigkeiten viel härter durchgreifen und keine Rücksicht mehr auf grosse Namen zu nehmen", meinte Golonka bei seinem vorzeitigen Abgang aus Davos.
Diesen Rat befolgte offenbar sein Nachfolger Ron Wilson - allerdings schonungslos und ohne jegliches psychologisches Einfühlungsvermögen. Die menschliche Kluft zwischen dem Amerikaner und dem Grossteil der Davoser Akteure, mit denen Wilson noch zusammen gespielt hatte, erwies sich im Abstiegskampf als unüberwindbares Hindernis. Nach nur 60 Tagen scheiterte der frühere Verteidigerstar an seinem ersten Wirkungsort als Trainer. Das Davoser Trainerkarussel drehte sich auch in der Nationaliga-B-Saison rasch weiter. Die ungemütliche Tabellenlage wurde Bengt Ericsson noch vor Weihnachten 1989 zum Verhängnis. Trotzdem sei er vom Schweden, "einem guten Mann", angenehm überrascht worden, sagt Jacques Sougel. "Was Ericsson auf dem Eis brachte und erzählte, hatte Hände und Füsse. Leider war er sich selber zu wenig linientreu."
Der Schwede habe sich von Dritteln beeinflussen lassen und gegen die Überzeugung Umstellungen in der Mannschaft vorgenommen.
Auf Ericsson folgte der damalige Davoser Juniorentrainer Glenn Williamson, ein "Arbeitstier mit totalem Einsatz". Den freien Fall in die 1. Liga konnte aber auch der Kanadier nicht mehr aufhalten. In den Niederungen der 1. Liga und bei jenem Klub, wo er als Spieler seine grössten Erfolge gefeiert hatte, fand Lance Nethery die richtige Plattform zum Einstieg ins Trainergeschäft. Seine Vorstellungen als Trainer deckten sich weitgehend mit den Qualitäten, die ihn als Spieler stark gemacht hatten: harte Arbeit, Geduld und Intelligenz. Von seinen früheren Vorgesetzten versuchte er, das Beste zu übernehmen; von Dan Hobér die Eistrainings, in denen alles aus der Bewegung heraus ablief, vom kanadischen Gentleman Ron Ivany die Erkenntnis, dass man auch manchmal nett sein durfte mit den Spielern, von Juhani Wahlsten einige Gedankenblitze über das Eishockey und aus seinem Abstecher zum SC Herisau von Arno del Curto eine gewisse Affinität zum sowjetisch orientierten Spiel. Nethery reüssierte in Davos mit Promotion in die Nationaliga B auf Anhieb. Ein Jahr später wählte der beiM SC Bern eine weit schwierigere Herausforderung. |