 |
Magnus Svensson: der Scharfschütze. |
3. März 1995, 22:18 Uhr: Mit Tränen in den Augen verlässt Magnus Svensson das Eis in der Davoser Eissporthalle. Der HCD ist im Play-off-Viertelfinal nach einer 3:4-Niederlage gegen Fribourg-Gottéron soeben ausgeschieden. Noch in der zweitletzten Minute hat Svensson nur den Pfosten getroffen. Diese Szene des Schweden in seinem letzten Match in den gelb-blauen Davoser Farben war allerdings irgendwie typisch für sein ganzes Gastspiel beim Bündner Traditonsklub. Ihm gelang nur in Ansätzen, was er sich selber und die anderen von ihm beim HCD erhofft hatten. Schon 1987 war Svensson mit Schweden Weltmeister geworden. Ein Platz unter den ganz Grossen im Welteishockey erspielte er sich sieben Jahre später.
An den Olympischen Spielen in Lillehammer trug er entscheidend zum Turniersieg seines Landes bei: Im Finalspiel gegen Kanada rettete er mit seinem Ausgleichstreffer zum 2:2 109 Sekunden vor der Schlusssirene seine Mannschaft ins Penaltyschiessen. Und auch dort trug der Verteidiger mit den eisernen Nerven mit einem Treffer seinen Teil zum ersten Olympiasieg Schwedens in der Eishockey-Geschichte bei. Zweieinhalb Monate später stellte Svensson an der A-Weltmeisterschaft in Italien seine Abschlussqualitäten erneut unter Beweis: Als erster Verteidiger überhaupt wurde er WM-Torschützenkönig. Vier Tore gelangen ihm allein im Finalspiel um den dritten Platz gegen die USA. An Svensson ist allerdings nicht ein verkanntes Stürmertalent verlorengegangen. Genauso schätzen Trainer den schonungslosen, aggressiven Körpereinsatz, mit welchem er vor dem eigenen Tor aufzuräumen pflegt. Dabei gehört er mit seinen 180 cm Körperlänge und seinen 81 kg Gewicht nicht einmal zu den "Schränken" seiner Garde. Tribut forderte sein totales Engagement am Spengler-Cup 1994. Innerhalb von zwei Partien brach sich der Schwede gleich drei Rippen, zwei auf der rechten und eine auf der linken Körperseite. Die Schmerzen waren für ihn kein Hinderungsgrund, bereits zwei Wochen später in der Meisterschaft wieder dabeizusein.
So stark wie am Spengler-Cup trumpfte Svensson, abgesehen von wenigen Ausnahmen beim HCD sonst nur in den Play-off-Spielen auf. Am Ende seines Davos-Jahres musste der Schwede eingestehen, dass "ich besser Eishockey spielen kann. Es war in dieser Saison für mich nicht immer einfach." Viele Kleinigkeiten hätten nicht gepasst. Schon vor Meisterschaftsbeginn wurde er durch einen Handgelenkbruch zurückgeworfen. Später folgten die erwähnten Rippenbrüche. Zudem musste er sich zuerst an Waltins Spielsystem gewöhnen. Dieser verlangte vom Olympiasieger und Weltmeister mehr Laufarbeit, als er es sich gewohnt war. Zu den leistungshemmenden Kleinigkeiten zählte der Verteidiger in Davos auch Probleme mit seinen Stöcken. Dies seien in jener Saison viel zu weich produziert worden. Damit erklärte der Scharfschütze seine Ladehemmungen. Insgesamt gelangen ihm nur zehn Meisterschaftstore. Dazu gesellten sich noch 27 Assists. Der Motivation in Davos nicht gerade förderlich waren Svenssons Pläne in der National Hockey League: Sie veranlassten schliesslich den Verteidiger, beim HCD bereits nach einer Saison aus dem Zweijahresvertrag auszusteigen und zu den Florida Panthers zu wechseln. Damit habe er sich seinen alten Traum von der NHL erfüllen können, sagt Svensson. "Als die Offerte von den Florida Panthers kam, konnte ich sie einfach nicht ausschlagen. Ich musste sie einfach packen, auch wenn der Wegzug von Davos sehr schwer fiel." |