Davoser Nachthimmel in gelb-blau
68:24
Im Anschluss an das meisterliche Tor von Josef Marha verwandelte sich der Davoser Eispalast in eine riesige Festhütte. Den Sonnenaufgang erlebte kaum ein HCD-Fan im Bett.
Rainer Sommerhalder, Davos
Der Weg nach Spielschluss zu den Helden von heute führte vorbei an Richi Bucher, Ron Wilson oder Fausto Mazzoleni. Davoser Fans sind treue Fans, manche tragen noch immer die Namen ihrer Kindheitsidole auf den in die jahregekommenen Matchdresses. Gemeinsam schrie die Halle zuerst den Namen des Trainers: «Arno Del Curto» hallte es durch die Halle. Der Engadiner deutete mit dem Zeigefinger an den Lippen an, dass heute Nacht andere im Mittelpunkt stehen sollten. Er selber würde wie immer in solchen Fällen den Genuss des Erfolgs abseits des Rummels auskosten.
Dabei war gerade der entscheidende Treffer ganz nach dem Gusto des charismatischen Coaches. Nicht seine Superstars Thornton oder Nash waren dafür verantwortlich, sondern das Duo Laurent Müller und Josef Marha in Zusammenarbeit. Müller war in diesen Playoffs noch an überhaupt keinem Davoser Tor beteiligt, Marha übte sich zuletzt an der Seite Thorntons und Hagmanns im Auslassen von Grosschancen. Nicht so in der 69. Spielminute des fünften Finalspiels, in welcher er die Meisterschaft entschied. Für Del Curto sind Müller und Marha keinen Deut weniger wichtig als die NHL-Superstars. Sie halten diesen mit ihrer «Drecksarbeit» den Rücken frei.
Derweil blieben die besagten Kanadier Thornton und Nash auch im Moment des Erfolgs ihrer Rolle als Spassvögel treu. Nash feierte in der HCD-Garderobe mit einer billigen Pokalkopie aus Alufolie, welche ihm ein Fan auf dem Eis überreicht hatte, und forderte all seine Mitspieler auf, diesen zu küssen. Später schlich er mit dem «Original-Schirmständer» auf und davon. Halb so schlimm, meinte HCD-Sportchef Müller. «So lange der Pot nicht im Fluss landet wie beim letzten Meistertitel.»
Joe Thornton schien die Meisternacht mit dem Ziel in Angriff zu nehmen, sich von jedem Fan in Davos persönlich verabschieden zu wollen. So arrogant der Kanadier oft auf dem Eis wirkte, so volkstümlich gab er sich in seinen letzten Stunden in der Bündner Bergwelt. Für ihn wird der Abstecher in die NLA hockeytechnisch zwar nur eine Randnotiz bleiben, die meisterlichen Emotionen jedoch werden auch «Big Joe» ein Leben lang begleiten.
Stunden des Triumphs sind auch immer Momente der Bilanz. Für den Finnen Niklas Hagman, den besten Davoser Torschütze in den Playoffs, war es ein sensationelles Jahr. Das Niveau in der Schweiz sei viel höher, als dass er erwartet habe. Und letztlich zähle ein solcher Erfolg nicht weniger als einer in der National Hockey League.
«Arno Del Curto» hallte es durch die Halle
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