Ihren Namen skandierten die Zuschauer häufiger, als jeden anderen, sie werden öfter gefeiert als ihre Vorderleute. Andererseits sind sie auch verschiedentlich die klaren Sündenböcke, weil sich ihre Fehler direkt auswirken: die Torhüter. Nando Wieser hat die breite Palette von "himmelhoch jauchzend" bis "zu Tode betrübt" schon am eigenen Leib erfahren. Bereits als 16jähriger stiess das grosse Goalietalent zum Kader des Fanionteams. Hautnah erlebte er Ende der achziger Jahre die rasante Talfahrt seines HC Davos mit: in der Nationaliga A vorerst sporadisch als Torhüter Nummer 2 und Türchenöffner, in der zweitobersten Spielklasse dann als Aktiver zwischen den Pfosten. Den Umweg in die 1. Liga machte Wieser nicht in Davos. Statt dessen erlebte er das Ersatzgoalie-Dasein in Olten. Hinter Beat Aebischer erhielt er bloss sieben, teilweise nicht einmal 60 minütige Einsatzgelegenheiten. Da ihn die Situation bei den Solothurnern eher frustrierte denn motivierte, zog er es vor, in die Nationaliga B zu wechseln und dem Ruf Mike McParlands nach Lyss zu folgen. Primär dank Wieser erlebten die Seeländer ihre erfolgreichste Saison in der Klubgeschichte und der Torhüter seine ersten fünf Shutouts bei den Aktiven. Die Wirren und finanziellen Probleme um den SCL liessen seine Zukunftsperspektiven aber etwa so neblig erscheinen, wie sich die Wetterlage in der Region in den Herbst- oder Wintermonaten zu präsentieren pflegt. So zog Wieser weiter nach Ambri.
Hinter Pauli Jaks kam er zu zwölf Meisterschaftseinsätzen. Wegen der besonderen Emotionen ist dem Bündner ein erfolgreich bestandenes Derby in Lugano nachhaltig in Erinnerung geblieben. Mit der Rückkehr des HC Davos in die Nationaliga A kehrte auch Wieser nach seiner dreijährigen Lehr- und Wanderzeit zu seinem Stammklub zurück. Anfänglich wechselte Trainer Mats Waltin auf dem Torhüterposten häufig zwischen Wieser und dem erfahrenen Marino Buriola. Am Spengler-Cup 1993 spielte sich Wieser mit konstant starken Leistungen nicht nur in die Gunst der Zuschauer, sondern auch in Waltins Hierarchie nach oben. Seither ist Wieser beim HCD die Nummer 1. Von Leistungsschwankungen blieb er nicht verschont. Auffällig ist jedoch sein starkes Nervenkostüm. Wenn's in den Stadien brodelt, fühlt sich der Mann mit der Nummer 33 zwischen den Pfosten besonders wohl. So trumpft er meist in Luganos Hexenkessel gross auf. Und auch die besondere Spegler-Cup-Atomosphäre treibt ihn zu Sonderleistungen. Am 94er-Turnier wurde er als bester Torhüter ausgezeichnet, mit dem Shutout beim 6:0 gegen das Team Canada als persönlichem Höhepunkt.
Im Gegensatz zu Richi Bucher, dem grossen HCD-Goalie der achziger Jahre, pflegt Wieser einen nüchternen Stil ohne Showeinlagen. Er verlässt seinen Torraum nur in Ausnahmefällen. Mit seinem guten Stellungsspiel und seinem wachen Reflex macht er den gegnerischen Stürmern das Leben schwer. Die Ruhe, mit welcher er allein auf ihn zufahrende Stürmer zum Handeln provoziert, zeichnet ihn auch hinter der Torhütermaske aus. Schlechte Partien steckt er im Wissen auf sein wirkliches Können rasch weg. Medienkritiken geht er aus dem Weg, indem er verschiedene Zeitungen nicht mehr zur Kenntnis nimmt. In der Junioren-Nationalmanschaft gehörte er früher mit soliden Leistungen zu den Teamstützen. Bei den Aktiven hat er zwar die B-Weltmeisterschaft in Kopenhagen vor Ort erlebt, aber als Torhüter Nummer 3, und damit in der Ersatzrolle. Die internationale Bühne bedeutete für den Davoser bislang der Spengler-Cup. Gelingt es ihm, jene Leistungen während des ganzen Jahres umzusezten, könnte noch mehr möglich werden. |