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Ron Wilson: Verteidiger mit Torriecher. |
| Als Ron Wilson 1980 zum EHC Kloten in die Schweiz kam, sorgte er in seiner ersten Saison bei den "Fliegern" gleich doppelt für Schlagzeilen: Zum einen trug sich der Amerikaner so oft wie kein anderer Verteidiger in die Torschützenliste ein. 32 mal in 35 Partien, zum andern sass aber auch kein anderer Abwehrspieler so oft wie Wilson auf der Strafbank. Fredy Bosch, der TK-Chef des HC Davos, wusste folglich um die beiden Gesichter des US-Internationalen, als er ihn im Frühling 1982 Gattin im antiken Landquarter Bahnhofbuffet trat. Innert Kürze waren ich die beiden Parteien einig. Rückblickend spricht Bosch vom leichtesten Transfer, den er je gemacht habe. "Ich musste ganz einfach Wilsons Bedingungen erfüllen." Für 130 000 Franken pro Saison unterschrieb der Abwehrspieler mit dem grossen Offensivdrang beim HC Davos. Bei seinem neuen Klub kam Wilson rasch zu einer weiteren Tausendernote. Um die Undiszipliniertheiten und dummen Strafen einzudämmen, ging Bosch mit dem Amerikaner eine Wette ein: Wenn der Spieler zehn Meisterschaftsspiele hintereinander bei vollem Einsatz ohne unnötigen Besuch auf der Strafbank auskomme, zahle er ihm aus der eigenen Tasche 1000 Franken bar auf dei Hand. Diese Offerte war wie Musik in Wilsons Ohren. Das Schlitzohr überstand die folgenden zehn Punktespiele straflos und kassierte die Wette ein. Nur ungern erinnert sich Bosch an den folgenden Match: In Arosa provozierte der Amerikaner im Schlussdrittel einen unnötigen Ausschluss, und für sein vorlautes Mundwerk wurde er gleich noch mit einer zehnminütigen Disziplinarstrafe belegt. Beim Gang zur Strafbank blickte Wilson zu Bosch auf die Tribüne hoch, grinste und verschwand in der Kühlboxe. Sein überschäumendes Temprament hatte aber nicht nur Nachteile. Denn Niederlagen hasste der Eishockeyprofi wie die Pest. Wilson brachte nach Davos nicht nur seine mangelnde Disziplin, sondern auch seinen Torriecher mit. Mit einem beispiellosen Gespür, im richtigen Moment nach vorne zu prellen, stellte er die gegnerischen Abwehrreihen immer wieder vor unlösbare Probleme. Dank seines Vorwärtsdrangs schrieb der amerikanische Verteidiger mit dem vielen Stürmerblut in der Saison 1984/85 Schweizer Eishockey-Geschichte: Als erster und bis heute einziger Abwehrspieler wurde Wilson mit 39 Treffern und 52 Assists Topskorer in der Nationaliga-A-Meisterschaft. Für den Amerikaner zahlte sich die stolze Ausbeute besonders aus. Als einziger HCD-Spieler hatte er sich eine Prämie von 100 Franken pro Skorerpunkt im Vertrag fixieren lassen. Dieser Schachzug spielte natürlich mit, wenn Wilson nach Davoser Toren jeweils zum Punkterichtertisch rannte und sich noch ein zweites Assist notieren liess. Wegen seines unbändigen Zugs in die Offensive vernachlässigte Wilson, der das Spiel ausgezeichnet lesen, überraschende, öffnende Pässe schlagen und selber Tore schiessen konnte, nicht selten seine Defensivpflichten. Seine Philosophie, lieber zwei Tore zu schiessen und dafür auch zwei kassieren als hinten dichtzumachen, trug ihm bei den Mitspielern nicht nur Anerkennung ein. Doch die Fans riss der unbestrittene Weltklassespieler von den Sitzen. Mit seiner spektakulären Spielweise habe er pro Match bestimmt einige hundert Zuschauer ins Stadion gelockt und sich damit selber finanziert, ist Bosch nach wie vor überzeugt. Individuell war er in den achziger Jahren bestimmt der attraktivste Spieler auf Schweizer Eis. Und zusammen mit Lance Nethery bildete er ein von allen Gegnern gefürchtetes Ausländerduo. Wilson trug ab 1981 während insgeamt fünfeinhalb Jahren die Davoser Farben. Als Misstritt erwies sich hingegen sein spontaner Eintritt ins Trainermettier in Davos. Dem Amerikaner gelang es als Nachfolger von Jozef Golonka Anfang 1989 nicht, den HCD vor dem drohenden Fall in die Nationaliga B zu bewahren. In seiner neuen Funktion konnte er die Mannschaft nicht einen und führen. Statt dessen beglich er mit ehemaligen Teamgefährten alte Rechnungen. Streit und Zwist waren die Folge. Die Differenzen gipfelten in Wilsons vorzeitiger Entlassung. Mehr Erfolg hatte er darauf als Trainer im Amerika, sowohl als Coach des US-Nationalteams als auch in der National-Hockey-League. |