Beim HCD, Ausgabe 1989/90, war fast alles neu: der Vorstand (mit Präsident Werner Kohler), der Manager (Richi Bucher), der Trainer (Bengt Ericsson) die beiden Ausländer (Daniel Poulin und Erkki Laine) sowie elf neue Schweizer Spieler. "Es hat keinen Zweck mehr, von den alten Zeiten zu sprechen. Ich habe eine neue Mannschaft. Mit dieser arbeite ich hart und versuche, sie weiterzubringen", umschrieb Ericsson seine Absichten. Er wusste um seine delikate Aufgabe, um die schwierige Gratwanderung zwischen Erfolg - als solcher wäre ein Mittelfeldplatz taxiert worden - und einer Zittersaison mit einem möglichen bitteren Ende: "Das Stärkeverhältnis in der zweitobersten Spielklasse ist brutal ausgeglichen. Da können in jedem Match Kleinigkeiten entscheiden."
Diese bedeutenden Details sollten sich oft gegen den HCD richten. Captain Remo Gross zog sich bereits in der Vorbereitung einen Innenbandriss am Knie zu. Und Torhüter Marino Buriola musste sich sechs Tage vor dem Meisterschaftsbeginn einer Meniskusoperation unterziehen lassen. Diese Ausfall beförderte Bucher unfreiwillig zum "Playing Manager", wobei er sofort klarstellte:"Ich sehe mich als HCD-Torhüter Nummer 3. Mein Posten wird die Ersatzbank sein." So stand bei der Meisterschaftseröffnung genau einen Tag nach seinem 18. Geburtstag Nando Wieser erstmals überhaupt in einem Ernstkampf im HCD-Tor. Dass die Premiere beim 2:4 in Lyss gegen den Aufsteiger missglückte, lag weniger am Torhüter als an seinen Vorderleuten. Diese liessen nach einem guten Start und einer 2:1-Führung ihren jungen Goalie kläglich im Stich.
Der HCD bekam rasch zu spüren, welch steife Brise ihm auch in der Nationaliga B um die Ohren blasen würde. Nach neun Runden, dem ersten Viertel des Qualifikationsprogramms, lag er - trotz sporadischen Einsätzen von Richi Bucher - mit fünf Punkten an letzter Stelle. Nur in Uzwil (6:3) und zu Hause gegen Herisau (4:2) hatte Davos das Eis als Sieger verlassen. Die Frage, ob seine Person schon zu Diskussionen über eine eventuelle Ablösung Anlass geben könnte, beantwortete Ericsson humorvoll: "Meine Koffer stehen immer in Reichweite. Das ist eine Vorsichtsmassnahme, die in diesem Beruf unerlässlich ist." An der Position des Trainers wurde auch nicht gerüttelt, als eine Mannschaft aus den nächsten drei Partien nur einen Punkt beim 5:5 im Deby in Chur gewann. Stattdessen engagierte der HCD von den Toronto Maple Leafs Paul Lawless. Der Kanadier sollte an Stelle des ruhigen und blassen Erkki Laine nicht nur Stimmung in den Davoser Angriff, sondern auch in der Kabine bringen. Mit drei Skorerpunkten feierte der Neue beim 5:1 über Uzwil einen Einstand nach Mass. und schneller als erwartet kam Laine wegen einer Augenverletzung Poulins zu seinem Comeback. Der Finne, der schon Torschützenkönig in Schweden war, steuerte drei Treffer zum 5:4-Erfolg über Martigny bei.
Feuerwehrübung mit "Wädel" Dürst
Mit Daniele Paganini und Jaques Sougel waren bereits nach wenigen Runden zwei langjährige, verdiente HCD-Teamstützen auf den Ende der vorangegangenen Saison erklärten Rücktrittsentscheid zurückgekommen. Sie zählten rasch wieder zu den Treibfederen im Davoser Angriff. Den Krebsgang in der Tabelle konnten sie aber auch nicht aufhalten. Weil die Davoser auf dem Eis allgemein einen verkrampften Eindruck hinterliessen und es Trainer Bengt Ericsson nicht gelang, die Einstellung seiner Schützlinge zu optimieren, handelte der Vorstand nach der 19. Runde Ende November mit der teilweisen Entmachtung des Schweden. Er sollte wohl noch das Training leiten. Die Matchvorbereitungen und das Coaching wurden hingegen "Wädel"Dürst übertragen, der in dieser Funktion Erfahrung aus früheren Feuerwehrübungen aufwies. Der neue Hoffnungsträger machte jedoch von Beginn weg klar, dass er seinen Posten aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen höchstens bis Weihnachten ausüben werde. Schon Mitte Dezember drehte sich das HCD-Führungskarussel weiter. Der bisherige Junioren-Trainer Glenn Williamson wurde zum allein verantwortlichen Trainer und Coach der kriesengeschüttelten Nationaliga-B-Truppe ernannt. Der Spengler-Cup brachte dem HCD weitere Sorgen. Buriola erlitt gegen Spartak Moskau beim letzten Schuss eines gegnerischen Stürmers einen Rippenbruch. Und Poulin, dessen Sehvermögen im linken Auge nur noch 80 Prozent betrug, zog sich eine Leistenverletzung zu. Da Laine bereits definitiv verabschiedet worden war und zu Beginn des neuen Jahres auch noch Lawless wegen einer Niereninfektion ausfiel, holte Davos mit Rich Costello einen weiteren ausländischen Stürmer. Der Amerikaner konnte in seinem ersten Match die 1:3-Niederlage in Siders aber nicht verhindern, und der HCD behielt auch in der Folge das Gesicht einer launischen Diva. So feierte er zum Beispiel gegen Lyss einen 10:3-Kantersieg, trotzte darauf dem Spitzenklub Rapperswil ein 3:3 ab und verlor die nächste Partie gegen Lausanne, das unmittelbar vor Davos plaziert war, sang- und klanglos mit 3:11. Wegen solchen Rückschlägen betrug der Abstand des HCD am Ende der Qualifikation auf die Waadtländer und damit den rettenden drittletzten Platz schon acht Punkte. Diese Ausgangslage war praktisch hoffnungslos, weil sämtliche Zähler in die Abstiegsrunde mitgenommen wurden.
Mit zwei Siegen gegen Lyss (7:5) und Lausanne (5:3) begann Davos die Relegationspoule wohl vielversprechend, doch die anschliessende 2:7-Pleite gegen das bereits zum Abstieg verurteilte Uzwil versetzte den Bündnern einen herben Rückschlag."Wenn man weiss, was diese Herren verdienen, erwartet man eine andere Leistung", meinte in der Uzwiler Uzenhalle ein deprimierter Werner Kohler."Spätestens am Montag werden wir mit einigen dieser Herren wieder einmal Klartext reden." Sämtliche Bemühungen fruchteten aber nichts mehr. Davos kam nie näher als auf vier Punkte an Lausanne heran. Am 10. März gab der HCD in einer bezüglich Punktestand bedeutungslosen Partie in Langnau mit einer 2:10-Niederlage seine Abschiedsvorstellung aus der Nationaliga B. 113 Sekunden vor Schluss der Partie traf Remo Gross zum letzten Bully an. 35 Sekunden vor der Schlusssirene schoss Gross den Puck zum letztenmal aufs gegnerische Tor. Und geradezu Symbolcharakter erhielten die drei letzten Spielsekunden; da führte Roland Simonet die Scheibe, der Davoser mit der (Unglücks-)Nummer 13. So stürzte der HCD im freien Fall von der obersten Spielklasse in die 1. Liga ab.
Drei Trainern und vier ausländischen Spielern gelang es beim Zwischenhalt in der Nationaliga B nicht, dieses Debakel zu verhindern. Viel Verletzungspech beschleunigte den Absturz. Allein mit dem Schicksal zu hadern, wäre allerdings zu billig gewesen. Der neue Vorstand hatte ein schweres Erbe anzutreten. Er habe nicht einmal mehr Scherben im Scherbenhaufen gefunden, beschrieb Manager Bucher die Situation. Erschwerend wirkte sich aus, dass die neue Führungscrew wohl viel guten Willen, aber wenig Eishockeyerfahrung mitbrachte. Bis der neue Vorstand handlungsfähig wurde, war auf dem Transfermarkt "der Mist geführt". Es wurde zwar ein rundes Dutzend neuer Spieler verpflichtet. Der Mannschaft fehlten gleichwohl die Leader- und Reissertypen. Die keimende Unzufriedenheit im Team gipfelte schon im Dezember in der Entlassung von Marcel Forster und Christoph Widmer aus disziplinarischen Gründen. Die falsche Wahl bei den Ausländern beschleunigte den Niedergang. Poulin war nicht mehr der grosse Spielmacher wie zu seinen Bieler Zeiten. Und anstelle von Flügelstürmer Laine, der zweifelsohne ein bemerkenswertes Palmarès mitbrachte, hätte ein Center schon ab Saisonbeginn der Mannschaft wohl mehr Punkte eingebracht. Die Misere im Angriff zeigte sich darin, dass Jaques Sougel mit 24 Treffern erfolgreichster HCD-Torschütze war, obwohl er nur rund die Hälfte aller Meisterschaftsspiele bestritten hatte.
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