Vor der Saison 1990/91 hatte der HC Gottéron-Fribourg mit der Verpflichtung der beiden sowjetischen Stürmerstars Slawa Bykow und Andrej Chomutow die Konkurrenz überrascht. Die beiden Eistänzer entzückten die eigenen Fans wie die gegnerischen Zuschauer gleichermassen. Sie wirbelten die Wiedersacher mit ihrem blinden Spielverständnis dermassen durcheinander, dass der Gegnerschaft nur noch das Staunen blieb. Bykow/Chomutow wurden im Schweizer Eishockey zum Mass aller Dinge, osteuropäische Eiszauberer zum Wunsch vieler Nationaliga-A-Klubs. Auch der HCD sprang auf diesen Zug auf. Bereits eine Woche nach der Rückkehr in die Nationaliga B meldete er die Verpflichtung von Verteidiger Waleri Schirjajew und Stürmer Ramil Juldaschew. Die beiden bildeten bei Sokol Kiew ein "unheimliches", torgefährliches Paar. In Davos wurden Erinnerungen an das Meister-Duo Ron Wilson/Lance Nethery wachgerüttelt. Die vielen Vorschusslorbeeren riefen allerdings auch die Konkurrenz auf den Plan. Martin Laminet, der Präsident des EHC Biel, reiste mit einer ganzen Vereinsdelegation persönlich nach Kiew, um Schirjajew und Juldaschew für seinen Klub zu gewinnen. Vor Ort lockte er die beiden Spieler weniger mit den allfälligen Vorzügen des Seelands als vielmehr mit einem finanziell attraktiven Angebot. Die beiden verunsicherten Akteure, im Ungang mit westlichen Transfermachenschaften ohnehin unvertraut, unterschrieben promt Laminets Angebot, nachdem sie zuvor bereits dem HCD eine schriftliche Zusicherung erteilt hatten
Zwischen Biel und Davos begann ein langwieriges Hickhack. Mehrere Vereinsfunktionäre von Sokol Kiew nutzten die Situation zu einer bezahlten "Geschäftsreise" in der Schweiz. Das nervenverzehrte Seilziehen dauerte so lange, bis HCD-Präsident Werner Kohler und Spielervermittler Jürg Schmellentin klein beigaben und die beiden wankelmütigen Spieler dem EHC Biel überliessen - allerdings nicht gratis. Weil sich die Bieler ihrer Transferrechte alles andere als sicher waren, überwiesen sie für Schirjajew und Juldaschew nicht weniger als 80 000 Franken in die HCD-Klubkasse. Für Davos bedeutete dieser Zustupf zumindest einen moralischen Sieg, hatten die beiden Kiewer Spieler ihre Füsse doch nie über die Türschwelle der HCD-Spielerkabine gesetzt. Trainer Lance Nethery hatte im Frühling während der Aufstiegseuphorie verlauten lassen, dass die künftigen Ausländer auch aus China kommen dürften, sofern sie nötige Klasse mitbrächten. Ganz so weit streckte Jürg Schmellentin seine Fühler nicht aus. Fündig wurde der Spieleragent mit Sitz im Fürstentum Liechtenstein und einem weiteren Beziehungsnetz in der damaligen Sowjetunion schliesslich in Moskau beim Spitzenklub Dynamo. Ewgeny Popichin und Sergej Jaschin hiess das Duo, das bei seiner Ankunft im Juli in Davos zunächst einmal über die Möglichkeiten im Westen staunten und mit zunehmender Dauer der Meisterschaft bei den HCD-Verantwortlichen immer tiefere Sorgenfalten hervorrief. Popichin hatte sich bei Dynamo Moskau als bester Defensivverteidiger der ganzen sowjetischen Liga ausgezeichnet. In den Niederungen der Schweizer Nationaliga B waren jedoch weniger Torverhinderer als Torschützen gefragt. Der pflichtbewusste und loyale Popichin stellte sich deshalb als falscher Mann am falschen Ort heraus. Seine seriöse Berufsauffassung beschied ihm deshalb Ende Saison nicht den blauen Brief, sondern eine Trainerstelle beim HCD. Jaschins Gastspiel in Davos hingegen dauerte nur eine Saison. Der rechte Flügelstürmer erwies sich nach vielversprechendem Beginn nicht als der erhoffte Reisser. Ihm fehlte in Davos das schon in frühester Jugend beigebrachte sowjetische Kolletiv. Als Einzelkämpfer erzielte er zuwenig Wirkung. Und Defensivaufgaben waren ihm ein Greuel. Den eigenen Torhütern Marino Buriola und Thomas Liesch blickte er nur selten tief in die Augen. Denn so nahe vor dem eigenen Tor befand sich Jaschin selten. Viel lieber wartete an der blauen oder roten Linie auf Steilpässe seiner Teamgefährten, wobei er auch dort nicht selten lustlos wirkte.
Brandstifter am Werk
Nicht nur die Ausländerfrage entfachte Feuer im HCD-Dach. Im wahrsten Sinn des Wortes brannte in der Nacht auf den 23. August 1991 lichterloh. Wie sich erst viel später herausstellte, setzte ein Brandstifter kurz nach Mitternacht das alte Eisbahngebäude in Flammen. Vom archetektonisch wertvollen Gaberel-Bau blieben nur noch verkohlte Überreste. Auch das HCD-Sekretariat, welches sich im Obergeschoss des langgestreckten Holzgebäudes befand, wurde vollständig vernichtet. Die Feuerwehr bargen nur noch einige versengte Akten auf dem qualmenden Trümmerhaufen."Die Geschichte des HCD ist verbrannt - das Archiv, alte Souvenirs, Wimpel, Fotomaterial und viele unersetzbare Zeugen der Vereinsgeschichte", erklärte HCD-Pressechef Mario Simmen. Auch ein Grossteil der Geschäftsunterlagen des Klubs ging verloren. Der reine Sachschaden belief sich für den HCD auf weit über 100 000 Franken. Die Spieler- und Sponsorenverträge hatte Präsident Werner Kohler wenigstens im Doppel in seinem Büro aufbewahrt. Sämtliche Vorverkaufsunterlagen für die Ende September beginnende Nationaliga-B-Meisterschaft verbrannten hingegen. Anlässlich der Generalversammlung erklärte Kohler eine Woche nach der Feuerbrunst den Ligaerhalt als Saisonziel. Er sei allerdings überzeugt, dass sich der HCD aufgrund der Transfers in der vorderen Tabellenhälfte etablieren könne. Mit einem 5:1-Heimsieg über Lausanne verlief der Auftakt vielversprechend. Dank besseren Abwehr- und Offensivleistungen punkteten die Bündner regelmässsig. Nach zehn Runden und einem 10:3 gegen Martigny übernahm der Aufsteiger gar die Nationaliga-B-Spitze. Drei Spieltage später lag er mit sechs Siegen, fünf Unentschieden und erst zwei Niederlagen immer noch an zweiter Stelle - obwohl Jaschin, der bei seiner HCD-Premiere gegen Lausanne bei allen fünf Treffern seinen Stock im Spiel hatte, zwischenzeitlich Ladehemmungen verraten hatte und wegen einer Schleimbeutelverletzung vorübergehend durch den Kanadier Ray Coté ersetzt wurde. Noch vor Weihnachten sanken die Davoser Hoffnungen auf die Aufstiegsrunde, die einen Platz unter den ersten vier bedingte, beträchtlich. Ab dem 19. November resultieren für den HCD bis zur Weihnachtspause aus acht Partien lediglich noch vier Zähler; der Tiefpunkt war eine 1:6-Blamage in Herisau. Trainer Nethery forderte als Konsequenz jeden Davoser Spieler auf, schriftlich festzuhalten, was besser hätte gemacht werden müssen.
Zwei weitere Ausländer
Weil an Weihnachten aus 21 Partien nur 80 Plustore zu Buche standen, handelte der Vorstand auf dem Transfermarkt. Er verpflichtete der in Chur in Ungnade gefallenen Stürmer Anatoli Stepanischew. Dieser führte sich in seiner neuen Umgebung glänzend ein. Beim 11:3 gegen Lausanne buchte er sieben Skorerpukte. Damit hatte er schon einen Grossanteil seiner ganzen Energie verpufft. Bei seinen nächsten sieben Partien fügte er seinem Total nur noch acht weitere Skorerzähler hinzu. Deshalb kam am 5. Februar mit dem Kanadier Doug Shedden, der als Referenz immerhin mehr als 400 NHL-Einsätze vorwies, bereits der HCD-Ausländer Nummer fünf in der selben Saison zum Zug. Nach einem diskreten Debüt in Lyss sicherte die Neuverpflichtung den Bündnern mit einem Hattrick gegen Herisau das ganze Punktepaar. Der Kanadier erfüllte die Erwartungen die Erwartungen mit einem Durchschnitt von 2,71 Skorerpunkten pro Spiel auch in der Folge. Den Davoser Weg in die Abstiegsrunde konnte er jedoch nicht mehr verhindern. Entscheidende Punkte hatte der HCD bereits vor seiner Ankunft vergeben, vorab in den Auswärtsspielen. Erst am 18. Januar hatte Davos auf fremdem Eis erstmals das ganze Punktepaar erobert, beim 4:2 in Bülach.
Lästige Pflichtaufgabe
Die Abstiegsrunde gestaltete sich für den HCD zur lästigen Pflichtaufgabe. Weil die Punkte aus der Qualifikation voll mitgenommen wurden, waren die Bündner schon zu Beginn der Relegationspartien fast gerettet. Die ungenügende Leistungskonstanz war auch in den letzten Begegnungen der Saison ihr treuer Begleiter. Deshalb beendeten sie die Abstiegsrunde auf dem dritten Platz, einen Punkt hinter Rapperswil und Herisau. Der enttäuschende Saisonverlauf schlug sich in den Heimzuschauerzahlen und damit in der Vereinsrechnung in einer Einbusse von rund 150 000 Franken im Vergleich zu den budgetierten Zahlen nieder.
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