Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts profitierte Davos neben seiner gewissenhaften Nachwuchsförderung auch von den natürlichen Vorteilen, welche dank der Schneesicherheit und Kälte überhaupt ein ordentliches Eistraining ermöglichte. Schon 1930 war auf dem Zürcher Dolder die erste Kunsteisbahn in der Schweiz eröffnet worden. Weitere folgten anfänglich aber nur spärlich: 1932 die "Pationoire de Monruz" in Neuenburg, 1933 die Ka-We-De Dählhölzli in Bern, 1934 der Margarethen-Park in Basel und als fünfte noch vor dem zweiten Weltkrieg die "Patinoire de Montchoisi" in Lausanne. 1950 wurde mit dem Zürcher Hallenstadion die erste überdachte Eisbahn in der Schweiz eingeweiht. Zwischen 1953 und 1960 schossen Kunsteisbahnen wie Pilze aus dem Boden, innert sieben Jahren gleich deren 32. Damit tat die gesamtschweizerische Entwicklung des Eishockeysports natürlich einen grossen Schritt. HCD-Präsident Paul Müller hatte diese Tendenz allerdings 1950 schon mit grosser Besorgnis festgehalten: Dieser Trend bedeute nichts anderes, als dass Eishockey mehr und mehr zu einem Geschäft degradiert und einmal den Punkt erreichen werde, an welchem der HCD nicht mehr mitzumachen in der Lage sei. Schon in der Saison 1950/51 begann für Davos wenig verheissungsvoll. Nach vier Meisterschaftsspielen zierte der Titelverteidiger mit einem einzigen Punkt das Tabellenende. In einem klar gewonnenen Relegationsspiel konnte sich die Mannschaft zwar wieder etwas auffangen. Die Musik nicht nur im Kanton, sondern in der ganzen Schweiz bestimmte in den fünfziger Jahren aber der EHC Arosa mit sieben Titelgewinnen in Serie. Der HCD versuchte, der Mannschaft mit ausländischen Spielern Halt und Vorbilden zu geben.
"Watschga" Dürst, der Reisser
Die Erwartungen wurden aber nur selten ganz erfüllt, öfter waren sie Ursache unliebsamer Auseinandersetzungen innerhalb der eigenen Reihen. Als geschickter Schachzug erwies sich 1953 die Verpflichtung von Stu Robertson als Spielertrainer. Der Kanadier formte mit Kampfkraft und dem Besuch zahlreicher Turniere seine Schützlinge soweit, dass sie 1958 die Meisterkrone errangen. Was gutes Eigengewächs ist, bewies der HCD in der Saison 1959/60, als es den Vereinen untersagt war, ausländische Spieler einzusetzen. Dank eines 6:2-Sieges über Bern sicherte sich Davos im Meisterschafts-Endspiel, das mangels Eis im Zürcher Hallenstadion ausgetragen wurde, einen weiteren Titel - es sollte für 24 Jahre der letzte bleiben. Pic Cattini beschrieb jenes Finale als ein "begeisterndes Cup-Endspiel im , das für alle, die dort mitkämpften, unvergesslich bleiben wird." Captain Walter "Watschga" Dürst steuerte zum 6:2-Triumph drei Treffer und zwei Assists bei. Während mehr als einem Jahrzehnt war er beim HC Davos als Nachfolger von Bibi Torriani die Persönlichkeit und der Leader. Er galt als Reisser und war dank seiner Vielseitigkeit auf allen Positionen einsetzbar - nicht nur im Sturm. Als 1952 in der Nationalmannschaft der Bestand an läuferisch genügenden Abwehrspielern knapp war, bildete er mit seinem Davoser Teamgefährten Otto Schläpfer kurzerhand ein Verteidigungspaar. Zu den Stützen jener Davoser Meistermannschaft gehörte auch Torhüter Werner Basani. Durch Zufall hatte er sich am Spengler-Cup 1957 empfohlen, weil der Davoser Stammkeeper Martin Riesen wegen eines Todesfalls in der Familie unabkömmlich war. Er nutzte die Chance und wurde zum besten Schweizer Torhüter. Legendär wurden seine Ausflüge über die blaue Linie hinaus: seine Mischung aus Sport und Show begeisterte Zuschauer und Berichterstatter gleichermassen. 1963 verdonnerte ihn der Verband wegen einer Entgleisung zu einer zweijährigen Sperre. Die Wartezeit nutzte Basani zu einem Abstecher in eine nordamerikanische Profiliga. Zweimal brach er sich dabei nach harten Weitschüssen Fingerknochen und Fanghand. Von Davos wechselte der Torhüter nach Visp, wo seine Karriere 1971 abrupt endete: Nach einem Schuss des ZSC-Stürmers Peter Mühlebach traf der Puck genau die Augenöffnung von Bassanis Maske. Im Zürcher Hallenstadion hatten 1960 neben Bassani, Hans Pappa, Gery Diethelm, Janes Müller, Franz Berry, Sepp Weingartner, Oskar Jenny, Clo Ruffler, "Watschga" Dürst, Jörg und Hans-Martin Sprecher in den gelb-blauen Leibchen um den Meistertitel gespielt. "Stu Robertson schliff uns mit unerbittlicher Härte. Oft waren wir nach den Trainings so fertig, dass jeder nur noch einen Wunsch: so schnell wie möglich ins Bett zu kommen", erinnert sich Hans Pappa an den damaligen HCD-Trainer, einen der erfolgreichsten Kanadier, die je in der Schweiz gewirkt hat. Pappa galt als einer von Robertsons Musterschülern: kein Filigrantechniker, aber ein unermüdlicher und furchtloser Kämpfer. Er setzte zusammen mit seinem Verteidigerpartner die kanadische Eishockeyphilosophie auf dem Eis um: Kämpfen, Blockieren des Gegners und harte Schüsse von der blauen Linie. |